Gemeindehaus von Lavizzara

Gemeindehaus von Lavizzara

Die mutige Wahl, den neuen kommunalen Verwaltungssitz ins Patriziergebäude von Prato Sonvico anzusiedeln, wurde von dem Wunsch getragen, die neue Gemeinde Lavizzara in höherem Maße in den bestehenden Kontext einzufügen, damit sie zu einem fixen Anhaltspunkt für alle seine Bürger werden kann.

Im Rahmen des namhaften Mandates, das mir erteilt wurde, habe ich für die Planung des neuen Gemeindesitzes und des neuen Patriziatsbüros dank gezielter Eingriffe versucht, den Leitfaden festzuhalten, um den heutigen und zukünftigen Bedürfnissen nachzukommen, damit diese Ortschaft erhalten bleibt und dieses wunderbare Gebäude, das neben seinem architektonischen Wert auch eine sehr wichtige Geschichte hinter sich hat, aufgewertet werden kann.

Im Herzen des Lavizzara-Tals gelegen, dieses großartigen Naturschauplatzes, welches durch den Industrialisierungsprozess nicht so wie andere Regionen beträchtlich getroffen wurde, ist dieses Gebäude, das einen starken Ausdruck in sich bewahrt, nicht zuletzt für seine ehemalige Funktion außerordentlich wichtig.

Die heute existierende Realität war der Anhaltspunkt, den ich aufwerten wollte, indem ich den Zeugnissen der Vergangenheit gefolgt bin und sie respektiert habe. Bei näherer Betrachtung des Gebäudes spürte ich sofort, daß es mit seiner symmetrischen und strengen Fassade, seinem Walmdach mit 4 Dachflächen aus Granitsteinplatten, welche ein Ausdruck von Stärke, Eleganz und Schlichtheit sind, in seiner Volumetrie nicht modifiziert werden durfte.

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Wie immer wurde meine Arbeit von jenen begleitet und erleichtert, die in der Vergangenheit dieses einfache, jedoch an gestalterischem Ausdruck reiche Gebäude errichtet haben; ein Gebäude, das mit seinem vornehmen und feinen Aufbau, eine Reihe von Zeichen aufweist, die als Synonym für Liebenswürdigkeit und Sensibilität, Respekt und Hingabe an die Arbeit stehen, um dem Dorf Würde und Schönheit zu verleihen.

Das Projekt sah die Umgestaltung des bestehenden Gebäudes zum kommunalen Verwaltungssitz und Patriziatsbüro der neuen Gemeinde Lavizzara vor. Obwohl unser Ziel stets die höchste Funktionalität des Gebäudes war, war unser Handeln darauf bedacht, seine ursprüngliche geometrische und symmetrische Präzision zu unterstreichen. Aus diesem Grund haben wir unsere Eingriffe in die Struktur auf die statischen, technischen und sicherheitsbedingten Bedürfnisse begrenzt. Es wurde auch für nötig gehalten, das Dach aus Granitsteinplatten zu überprüfen. Das Gebäude wurde von allen unnötigen Elementen befreit, während die neuen Funktionen einfach in seinem Inneren integriert wurden, jedoch ohne es zu modifizieren oder ihm seine neue Bestimmung aufzuzwingen. Indem das Neue vom Alten hervorgehoben wurde, werden die ursprünglichen Materialien immer durch die Transparenz und die Helligkeit des Glases, welches die neuen Funktionen bestimmt, verstanden.Auch bei dieser Restaurierungs- und Sanierungsarbeit wird das große Verdienst einzig denen angerechnet, die mir vorangegangen sind. Ich habe mich als Fortsetzer eines Werkes gefühlt, der sich, bedingt durch veränderte Bedürfnisse und Zeiten, vorgenommen hat, dieses Gebäude mit einem Schuss Modernität, jedoch ohne irgendwelche architektonische Anmaßungen, anzupassen.

Seine zerbrechlichen, strengen und fast eisigen Fassaden sowie sein bogenförmiger Haupteingang, der auf den weitesten Punkt am Horizont gerichtet ist, den die Berge uns erblicken lassen, scheinen mit dem Unendlichen zu kommunizieren. Sie genügen, um uns erkennen zu lassen, daß es nichts Gefährlicheres als die Schranken und das Verschließen in sich selbst gibt. Die Fassaden scheinen uns anzuspornen, noch offener und teilnahmsvoller zu sein, damit wir unsere Möglichkeiten und Kenntnisse erweitern können. Der Einbau der neuen flächenbündigen Fenster- und Türenbeschläge der Fassade wurde vorgeschlagen, um ein leichtes und durchsichtiges Bild sowie ein minimalistisches Ganzes und eine zeitgenössische Deutung zu verleihen.

Der Zugang von außen geht über eine Rampe, die aus monolithischen Elementen aus weißem Marmor von Peccia besteht, welche schlicht entlang der alten Granitfreitreppe nebeneinander liegen. Der Weg im Inneren, ebenfalls aus Granitplatten, führt zu der ursprünglichen eleganten und bequemen Innentreppe, durch welche die oberen Stockwerke erreicht werden können, hinauf bis in die letzte und nobelste Etage, wo sich der Sitzungssaal für den Gemeinderat befindet.

Wieder zurück im Erdgeschoss kann man den Gemeindesaal und das technische Büro finden. Zu den neuen Diensträumen kommt auch der Zugang zum Fahrstuhl hinzu, welcher aufgrund der wichtigen Funktionen der oberen Etagen für nötig gehalten wurde. Im ersten Stock befindet sich der Eingang zum Patriziatsbüro, welches in den bestehenden Räumen der bergwärts hinzugefügten Struktur eingerichtet wurde.

An der südlichen Seite der ersten Etage kann man die Kanzleibüros mit den entsprechenden Schaltern finden, welche in den bestehenden Räumen integriert wurden und durch große Wände aus durchsichtigem Glas getrennt sind. Der Gemeinderatssaal in der zweiten Etage könnte auch als Mehrzwecksaal für Sitzungen, Vorträge oder Präsentationen verwendet werden. Wir haben den uralten Fußboden der Mansarde entfernt. Dazu haben wir es für unsere Pflicht gehalten, die ursprüngliche Baustatik der Tragelemente des Daches zu überprüfen sowie neuen Platz zu schaffen und dank einer goldenen Decke Eleganz und Helligkeit zu bieten: eine Lichtmischung, wo man den Blick in alle möglichen Richtungen schweifen lassen kann, ohne sich je zu verlieren. Die Transparenz und die Vertikalität nach oben in Richtung Dachboden haben auch die Akustik und die Ästhetik des Saals deutlich verbessert.

Ein Gebäude für uns alle, für uns Leute von Lavizzara, für die Politiker und die Politik. Ein Verwaltungs- und Planungssitz für dieses Tal, in der Hoffnung, daß es immer offener und kreativer, eine Art Ideenschmiede werden kann: das ist mein Wunsch. Ideen, die sich in Projekte verwandeln können, nicht nur um Regale zu füllen, sondern um von einer Gemeinschaft verwirklicht zu werden, die sich seiner Möglichkeiten einer besseren Zukunft bewusst ist und seit vielen Generationen hofft und unermüdlich arbeitet, in geduldiger Erwartung besserer Zeiten.

Bevor ich ein neues Projekt starte, überkommt mich immer spontan das Bedürfnis über mindestens zwei wesentliche Anhaltspunkte, welche das Lavizzara-Tal das Glück und den Vorteil hat zu besitzen, nachzudenken und mich auf sie zu stützen:

das grosszügige Zeugnis von der Vergangenheit, welches unmissverständlich ist und neu interpretiert werden muß, die zeitgenössische Realität, welche dank dem einmaligen Juwel der Steinkirche von Mogno seit 1986 nun zur Geschichte gehört.

Sicher können wir darauf stolz sein, mehr als jede andere Region, auf die die Augen der ganzen Welt gerichtet sind. Sowohl das Planungsthema als auch die Realisierung waren reich an Gelegenheiten, während die Nachforschungen und die Ausführung der Details es uns erlaubt haben, die Restaurierung dieses Gebäudes mit Minimalismus durchzuführen und aufzuwerten. Einmal mehr bin ich dankbar für die Möglichkeit, die mir geboten wurde, mich einer Arbeit widmen zu können, bei welcher ich den Eindruck hatte, die Schlüssel zu der vergangenen und zukünftigen Zeit zu finden.

Beilagen

- Inaugurazione del 14 giugno 2009, Bollettino informativo Lavizzara(.pdf)

Approfondimenti

Giovan Luigi Dazio
Architetto

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