Haus Rocco, al Forn und Vedola

Umbau und Wiederinstandsetzung des Dorfkerns in Fusio

Diese Gebäude – die letzten noch verbliebenen Zeugnisse einer alten Kultur und eines jahrhundertealten Erfahrungsschatzes, der sich auf beständige moralische Wertvorstellungen gründete – waren vor mehreren Jahrzehnten verlassen worden, gerieten in Vergessenheit und erfuhren seither keine grosse Wertschätzung mehr. Die Chance, sie neu durchzudenken und die Bemühungen, das Werk, das gemäss der Tradition aus den vor Ort vorhandenen Materialien, Holz und Stein nämlich, entstanden war, zu bewahren und dabei zu vermeiden, dass Techniken der Vergangenheit einfach kopiert oder – schlimmer noch – improvisiert werden, stellten eine grosse Herausforderung dar. Ich sah mich verpflichtet, aus der ewigen Gleichgültigkeit herauszutreten, die grosse Verantwortung, die natürliche Umgebung zu bewahren, auf mich zu nehmen und das Gleichgewicht zwischen dem praktischen Nutzen der Räumlichkeiten und den Emotionen nicht aus den Augen zu verlieren. Ich empfand tiefen Respekt für diese Art von Wohnraum, der als Antwort für die von der täglichen Arbeit aufgeworfene Problematik gebaut worden war, aus der Notwendigkeit einer bescheidenen, aber soliden Wohnstätte heraus, die wahrscheinlich ohne Meterstab und ohne Plan, aber in stiller Harmonie mit der Natur gebaut worden war, ohne jedoch die grundlegende Regel zu missachten, beim Bau so wenig Zeit und körperlichen Kraftaufwand wie möglich einzusetzen, Kapital, das besser für die Befriedigung der dringlichen Bedürfnisse, die im Leben von damals gestillt werden mussten, verwendet wurde.

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Die grosse Verantwortung, den praktischen Nutzen der – im Übrigen perfekt angeordneten – Räumlichkeiten zu bewahren und dabei besonderes Augenmerk auf die Aussenbereiche und die Zugänge zu jeder der Wohnungen zu legen, ergänzte sich mit dem Wunsch, die Empfindungen und Gefühle zu wahren, die ich von diesen alten Mauern und Räumlichkeiten ausgehen spürte, die nicht nur Erinnerungen und Andenken heraufbeschwören, sondern uns auch eine noch immer zeitgemässe und sehr bedeutende Lektion des Lebens vermitteln.

So entstand ein detailliertes und besonders intensiv ausgearbeitetes Projekt für diese Wohneinheiten, die einst als Ställe und als Hütten für die Bauern dienten, die architektonisch gesehen von den Instinkten geprägt und mit der Natur verbunden sowie von dieser abhängig sind, und die jetzt bewahrt werden sollen für ausländische Touristen, für den Philosophen, für den gewöhnlichen Menschen, der dort seine freie Zeit verbringen will, um zu meditieren, das Leben anzunehmen, zu wachsen, sich weiterzuentwickeln, mit der modernen Technik zu arbeiten oder sich dem Müssiggang zu ergeben, dem Wasser, dem Wind, seinen Schritten lauschend, sich zurückziehend oder mit den Mitteln der allerneuesten Technik mit der Welt in Kontakt verbleibend, und, warum nicht, einen sicheren Platz in absoluter Stille für sich zu belegen, um seine Reise auf dieser Welt noch einmal Revue passieren zu lassen. Die rein praktische Notwendigkeit, die Gebäude wiederaufzubauen, ging eine Verbindung ein mit der Liebe zur Geschichte des Dorfes, mit der Bewunderung für die so unterschiedlichen Stile, mit den starken Schwingungen, die zu erahnen waren, doch die Ziele konnten nicht alleine für sich stehen bleiben, sondern mussten sich in ein grösseres Projekt zur Aufwertung dieses wunderbaren Hochtals einfügen. Die Entscheidung, die eigenen Arbeiten im Wesentlichen auf der architektonischen Realität und auf dem Aspekt des Wohnens gründen zu lassen, war – und ist immer noch – der Trumpf schlechthin, wobei darauf geachtet wurde, den Anforderungen touristischer und kultureller Überzeugungen zu genügen. Der Moment ist jetzt, hier, in diesem Augenblick. Sobald man eines unerbittlichen Verfalls gewahr wird, ist der einzige Weg, ihm entgegenzuwirken, sich Projekten zur Renovierung nicht mehr genutzter Gebäude und der Erschliessung der bereits vorhandenen Ressourcen zu widmen, um dem Land von heute und von morgen ein anderes Gepräge zu verleihen.

Wenn auch grosse Teile der originalen Strukturen der Gebäude erhalten bleiben, gibt sich die Renovierung zeitgenössisch, erzählt, wie sich das Dorf verändert, und um mit der Konkurrenz Schritt halten zu können, ist es erforderlich, in guten Geschmack zu investieren, mit schönen Dingen, Einzelstücken, Hightech und innovativen Projekten. Aus diesem Grund sind die Wohnungen mit Vorrichtungen ausgestattet, die allen Anforderungen des modernen Menschen genügen; sie verfügen über Internet-Anschluss und alle anderen gewünschten Annehmlichkeiten, die wir der modernen Technik zu verdanken haben. Die Massnahmen zielten darauf ab, unter Berücksichtigung des vornehmen Charakters der bestehenden Strukturen und in strenger und einfacher Weise diejenigen Probleme zu lösen, die bei der Renovierung von Gebäuden auftreten, die in statischer und funktioneller Hinsicht in bereits fortgeschrittenem Masse verfallen sind. Die neuen Arbeiten im inneren Bereich sind deutlich zu erkennen, passen sich jedoch an die noch original erhaltene äussere Hülle an. Besondere Feinarbeiten auf allerhöchstem Niveau vervollständigen die Renovierungsarbeiten und fungieren so als konkretes Beispiel für die Einheit von Komfort und praktischem Nutzen. Die Typologie der Gebäude ist gekennzeichnet durch das Vorhandensein unterschiedlicher Strukturen; die Aussenmauern aus Stein stellen eine solide und unebene Hülle dar, deren besonderes Merkmal die diversen Korpi und Öffnungen sind, die verschiedenen Epochen zugeordnet werden können. Das Innere des Baus erstreckt sich über verschiedene Stockwerke und die Innenräume liessen eine durch eine grundlegendere und rationalere Funktionalität geprägte Gestaltung der alten Wohnräume zu, wodurch neue Ausgewogenheiten entstanden, die durch den Dialog zwischen kräftigen und klaren, alten und modernen Strukturen gekennzeichnet sind, die in einem Spiel mit Überlagerungen, Lichtern, Materialien und Klängen in Interaktion treten.

Die neue Einbindung dieses Bereichs, der schmückend ins Dorf eingebettet ist, potenziert sich und erschafft so Neues, viel Versprechendes, das die individuellen Eigenschaften verbessert. Das Hochtal Vallemaggia ist eine zurückhaltende Region, die sich nicht gerne zur Schau stellt, die bei genauerem Hinsehen allerdings in der Kunst des Einrichtens schon immer ihrer Zeit voraus war, wie die historischen Gebäude sowie die erlesenen und sorgfältig arrangierten architektonischen Details zeigen. Die Menschen, die in den Bergen leben, müssen sich mehr als die anderen anstrengen, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern oder um reich zu werden, dürfen aber auch nicht aus ihrem Bewusstsein streichen, dass sie die Allgemeinheit mit ihrer Region um eine besondere Stärke reicher machen können. Die Begegnung zwischen dem Willen eines Einzelnen und den Zielen der Allgemeinheit ist in der Geschichte stets der stärkste Motor für Umbruch und Weiterentwicklung gewesen, das unverkennbare Zeichen für Erfolg. Leider ist es diese Synergie, die häufig mit dem Verschwinden des moralischen Gedankens verloren geht, der in der Vergangenheit ein sprudelnder Quell für Erfolg und Wachstum war. Eine denkbare Lösung dafür wäre: Unsere Gesellschaft muss wieder akzeptieren lernen, dass ohne Risiko kein Wachstum möglich ist. Wir dürfen nicht alles, was vorhanden ist, um jeden Preis schützen wollen, sondern es gibt Wagnisse, die anzunehmen und einzugehen wir alle lernen müssen.

Approfondimenti
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02.2007Living is LifeIl rustico nobilitatoit
30.01.2007Giornale del PopoloOcchi aperti su Fusioit
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Giovan Luigi Dazio
Architetto

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